Weihnachten in Minsk – ein Erlebnisbericht von Cornel Prinz

Die letzten drei Jahre durfte ich jeweils zweimal Weihnachten feiern. Einmal ganz wie gehabt und nach «abendländischer» Tradition am 24. und 25. Dezember im Kreise meiner Liebsten und ein weiteres Mal mit einem Eishockeyteam 13 Tage später in Minsk. Minsk ist die weissrussische Hauptstadt mit knapp 2 Mio. Einwohnern. In Weissrussland feiert man Heiligabend und Weihnachten am 6. und 7. Januar, try weil das Land orthodox geprägt ist und die weissrussische-orthodoxe Kirchengemeinschaft sich nach dem alten julianischen Kalender richtet.

Der Grund, pharm wieso ich zu dieser Zeit in Minsk weile, remedy ist etwas ungewöhnlich. Denn in Minsk findet zu dieser Jahreszeit ein internationales Senioren-Eishockeyturnier statt, das folgenden Namen trägt: «International Christmas Cup – an Amateur Ice Hockey Tournament for the Prize of the President of the Republic of Belarus». Das Turnier wird auch als inoffizielle Senioren-Eishockeyweltmeisterschaft bezeichnet und ist aus verschiedenen Gründen sehr speziell. Da ist einerseits unsere zusammengewürfelte Eishockey-Mannschaft , die die Schweiz repräsentiert und die sich aus Senioren-Eishockeyspielern aus der ganzen Schweiz zusammensetzt. Die Spieler haben völlig unterschiedliche «Eishockey-Werdegänge»: vom ehemaligen Nationalspieler bis zu Spielern, die höchstens 2. Liga-Amateureishockey gespielt haben (schöne Grüsse an JJ), ist alles dabei. Es ist müssig zu sagen, dass wir in keinster Weise eine repräsentative Schweizer Seniorenauswahl darstellen.

Was das Turnier ausserdem einzigartig macht, ist, dass der weissrussische Präsident höchstpersönlich mitspielt und dass das Drum Herum an eine richtige Weltmeisterschaft erinnert. Dazu gehören die topmodernen Spielstätten, das zahlreich erscheinende Publikum – 15‘000 Zuschauer im Finalspiel, Nationalhymnen, die Pauseninterviews, die Eröffnungs- und Schlusszeremonie, die Übertragung der Spiele im weissrussischen Fernsehen, die Begleitung von Dolmetschern und die Eskortierung durch die weissrussische Polizei, wann immer wir mit dem Car unterwegs waren. Rund um das Eishockey hat man natürlich immer auch die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen. Wobei bei «Leuten» ist das ein bisschen schwieriger, weil in Weissrussland die Wenigsten englisch sprechen – geschweige denn deutsch.

Vor meiner ersten Reise nach Minsk war mir von Belarus, wie Weissrussland auch genannt wird, nur bekannt, dass das Land als «die letzte Diktatur» in Europa gilt und vom autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko regiert wird. Weissrussland ist einwohnermässig vergleichbar mit der Schweiz , aber flächenmässig etwa fünf Mal so gross. Das Land orientiert sich am «grossen Bruder» Russland und ist für den Westen relativ isoliert. Diese Tatsache macht die Organisation einer solchen Reise mit rund 25 Leuten ziemlich kompliziert. Ich denke da an Einreise-Visa, Krankenkassenabklärungen, Sprache, die kyrillische Schrift, Gepäck und Flüge. Ebenfalls faszinierend ist die Währung.

In Belarus konnte ich mich nach der ersten Abhebung am Bancomat erstmals in meinem Leben als Millionär bezeichnen. Für den Gegenwert von 100 Schweizer Franken spuckt der Automat nämlich rund 2 Millionen weissrussische Rubel aus. Die Winter in Weissrussland sind sehr kalt und das Thermometer kann im Januar bis zu -20 Grad anzeigen. Weisse Weihnachten sind in Minsk daher garantiert. Der Schnee, die gefrorenen Flüsse und Seen, die entspannten Leute und die vielen Lichter und Tannenbäume kreieren eine wundervolle, fast schon kitschige weihnächtliche Stimmung. Denn die Weissrussen scheinen auf viel «blingbling» zu stehen. Die ganze Stadt ist übersät mit leuchtenden, blinkenden, bunten, grellen Lichtern an Tannenbäumen und Fassaden.

In Weissrussland ist nicht Weihnachten, sondern Silvester – Novy God – der wichtigste Feiertag.
Die Silvesterfeier wird stets im Familienkreis gefeiert, es wird üppig gegessen, Geschenke werden ausgepackt, Lieder gesungen und selbstverständlich wird viel Wodka getrunken. Der Grund für diese «umgekehrte» Tradition ist in der Geschichte zu suchen. In Russland und somit auch Weissrussland, welches erst 1991 unabhängig wurde, war das Feiern des Weihnachtsfestes jahrzehntelang nicht möglich. Nach der Oktoberrevolution von 1917 verboten die Bolschewisten den religiö- sen Weihnachtsbrauch und damit alle mit ihm verbundenen Traditionen. Um für die Bevölkerung einen annehmbaren, nicht-christlichen Ersatz zu schaffen, verlegte die kommunistische Regierung viele Weihnachtstraditionen und Bräuche einfach auf Silvester. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion durften die Russen ihr Weihnachtsfest wieder offiziell am 6. und 7. Januar feiern. Für «unsere» Weihnachtsfeier, welche zugleich auch den Abschluss des Turniers darstellt, werden alle teilnehmenden Teams vom Gastgeber eingeladen zu einem riesigen Bankett mit weissrussischen Spezialitäten, Wodka und einem Showprogramm mit Tanz- und Gesangseinlagen. Es waren jeweils einzigartige Tage in Minsk – und hoffentlich folgen noch weitere.

Cornel Prinz